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Kroatische Rechtsgeschichte von 1790 bis 1918


Die Sammlung "Kroatische Rechtsgeschichte von 1790 bis 1918", die hauptsächlich aus Büchern aus dem historischen Bibliotheksbestand besteht, umfasst drei Bereiche:

1. Rechtsquellen
2. Legislative
3. Gerichtsbarkeit


1. Rechtsquellen

  
Österreich-Ungarn von 1876 bis 1918

Die Entwicklung der kroatischen Rechtsgeschichte war maßgeblich dadurch geprägt, dass Kroatien von 1102 bis 1918 zu Ungarn gehörte, zuerst im Rahmen der Personalunion (als ein König beide Länder regierte), und ab 1527 waren beide Länder ein Teil des gleichen Staatenbundes, nämlich der Habsburger Monarchie.

Die Habsburger haben als Herrscher Kroatien nach den Grundsätzen des Höfischen Absolutismus, und unter Josef II. (1780-1790) des aufgeklärten Absolutismus regiert. Die Kroaten sahen sich damals gezwungen, im Bündnis mit den Ungarn gegen den Wiener Zentralismus anzukämpfen. Es ist ihnen gelungen, bei Josef II. im Jahr 1790 die Anerkennung ihrer staatsrechtlichen Individualität durchzusetzen. Doch anstelle des österreichischen Zentralismus kam nun der ungarische Zentralismus.

So ging es im 19. Jahrhundert unter Österreich-Ungarn – vor allem nach dem Österreichisch-Ungarischen Ausgleich, hauptsächlich darum, den eigenen Staat und die  eigene Identität sowie Individualität als Volk aufrechtzuerhalten.

  

Aus der Sammlung:

Kroatische Autoren:

Kukuljević Sakcinski, Ivan: Privilegia Libertas Regni Croatiae, Dalmatiae , Slavoniae, Zagreb, 1862
Kukuljević Sakcinski, Ivan: Acta Croatica, Zagreb, 1863
Šulek, Bogoslav: Naše pravice. Izbor zakonah, poveljah i spisah znamenitih za državno pravo Kraljevine dalmatinsko-hrvatsko-slavonske od 1202. do 1868., Zagreb, 1868
Unser Recht. Auswahl aus Gesetzen, Urkunden und Akten, die bedeutsam für das Staatsrecht im Königreich Dalmatien-Kroatien-Slawonien von 1202 bis 1868 waren
Polić, Martin: Parlamentarna povijest Kraljevina Hrvatske, Slavonije i Dalmacije, Zagreb, 1899 / Die parlametntarische Geschichte des Königreichts Kroatien, Slawonien und Dalmatien
Tkalčić, Ivan: Povjestni spomenici slob. Kralj. grada Zagreba priestolnice kraljevine dalmatinsko-hrvatsko-slavonske, Zagreb, 1889 / Historische Denkmäler der Königlichen Freistadt Zagreb, der Hauptstadt der Königreichs Dalmatien-Kroatien-Slawonien 
Strohal, Ivan: Statuti primorskih gradova i općina, Zagreb, 1911 / Statuten der Kommunen an der nordadriatischen Küste
Tomašić, Nikola: Temelji državnoga prava hrvatskoga kraljevstva , Zagreb, 1910 / Grundlagen des Staatsrechts des Kroatischen Königreichs
Smičiklas, Tade: Diplomatički zbornik Kraljevine Hrvatske, Dalmacije i Slavonije, Zagreb, 1910 / Sammelschrift zur Diplomatie im Königreich Kroatien, Dalmatien und Slawonien
Šišić, Ferdo: Hrvatski saborski spisi, Zagreb, 1912 / Akten des Kroatischen Parlaments
Laszowski, Emilij: Habsburški spomenici kraljevine Hrvatske, Dalmacije i Slavonije, Zagreb, 1914 / Habsburger Denkmäler des Königreichs Kroatien, Dalmatien und Slawonien

Ausländische Autoren:

Westenbergii, J.O.: Jcti et antecessoris principia juris, Wiennae, 1755
Szegedi: Tripartitum juris Hungarici, Zagabriae, 1762
Verböczy, S.: Extractus… tripartiti juris, Pestini 1800
Zeiler, Franz Edlen: Commentar über das allgemeine bürger. Gesetzbuch für die gesammten deutschen Erbländer der Österreichischen Monarchie. Wien-Triest, 1812
Hupka, Kristophs: Sätze über das peinliche Recht nach der Theresianschen Halsgerichtsordnung mit angehängten Abweichungen vom Karolinschen Rechte. Wien, 1874 (Gotische Schrift)
Collectio benignarum normalium resolutionum caesareo-regiarum, Pestini, 1785
Szlemenics, Paulo: Discussio opusculi, cui nomen: Ratio Jurisprudentie Hungaricae ad ductum institutionum kelemenianarum, Posonii, 1817
Deglivellio, Antonio: Saggio d uno studio storico-critico …di Ragusa, Ragusa, 1873.
Pellegrini-Danielli, Cesare: Sulla colonia Dalmata, Zara, 1896


2. Legislative

  
Gespanschaften in Kroatien und Slawonien

Kroatien war im 19. Jahrhundert in einen Teil mit Zivilbevölkerung und einen militärischen Teil gegliedert.  Die sog. Militärgrenze (Vojna krajina) wurde noch unter Maria Theresia auf das Save-Gebiet in Slawonien (Posavina) ausgedehnt, wobei die Amtssprache deutsch war und dort österreichische Gesetze in Kraft waren. Der Teil, in dem Zivilbevölkerung lebte, das Königreich Kroatien, unterstand damals zum ersten Mal unmittelbar Ungarn und der ungarischen Regierung. Rijeka hatte eine eigenständige Regierung, und die ganze Küste von Triest bis Senj gehörte zu Österreich  (Österreichisches Küstengebiet). Dalmatien gehörte zur Republik Venedig bis 1797, während Dubrovnik 1814 in das Königreich Dalmatien eingegliedert wurde.

Nach Zusammenbruch der ungarischen Revolution und des Aufstands in Kroatien erfolgte der Umbau des Kaisertums Österreichs, das als Erbmonarchie nun aus folgenden Kronländern bestand:

- Königreich Dalmatien, Kroatien und Slawonien, mit dem kroatischen Küstengebiet und der Stadt Rijeka
- Königreich Ungarn
- dem Herzogtum Siebenbürgen
- der Militärgrenze (Ungarische und Kroatische Militärgrenze als Einheit).

Kroatien bekam 1850 eine neue politische Verwaltung mit einer Regierung, die vom Banus geführt wurde, sowie eine von Ungarn unabhängige Staatsverwaltung, Gerichtsbarkeit und Schulwesen. Kroatisch wurde damals zur Amtssprache.

 

Durch den Österreichisch-Ungarischen Ausgleich im Jahre 1867 wurden zwei unabhängige Staaten geschaffen: die Länder der Heiligen Ungarischen Stephanskrone und die im Reichsrat vertretenen Königreiche und Länder (Kaisertum Österreich), mit einer gemeinsamen Regierung. Österreich behielt dabei Dalmatien, und überließ Kroatien Ungarn, wobei die beiden Länder ihre Verhältnisse selbständig regeln sollten.  So kam es zum Ungarisch-Kroatischen Ausgleich im Jahr 1868, gemäß dem beide Länder als einheitlicher Staat nach außen auftreten, jedoch bei inneren Angelegenheiten jedes Land eine eigenständige politische Einheit darstellt. Nur über Rijeka konnte kein Einvernehmen erzielt werden.

Bosnien und Herzegowina waren damals noch unter türkischer Herrschaft und gehörten zum Osmanischen Reich. Als beim Berliner Kongress 1878 die europäischen Großmächte Österreich-Ungarn die Okkupation Bosniens und Herzegowinas gestatteten, wurde Bosnien und Herzegowina in das Verwaltungsgebiet der Doppelmonarchie eingegliedert. Bosnien und Herzegowina blieben unter österreichischer Herrschaft bis 1908, als Kaiser Franz Joseph I. die Annexion dieser Länder erklärte.

 


Aus der Sammlung:

Österreichisch-Ungarische Monarchie, Allgemeiner Teil

Handbuch aller unter der Regierung des Kaisers Joseph des II. für die K.K. Erbländer ergangenen Verordnungen und Gesetze in einer systematischer Verbindung, Wien, 1785-1790
Sammlung der Gesetze unter der glorreichsten Regierung der König Leopold II, Wien, 1790-1792
Zeiller, Franz Edlen: Vorbereitung zur neuesten Österreichischen Gesetzkunde im Straf- und Civil-Justizfache…, Wien und Triest, 1810
Sammlung der Gesetze, welche unter der glorreichsten Regierung der Kaiser Franz des II. in sämtlichen K.K. Erbländern erschienen sind, Wien, 1792 -1848

Königreich Kroatien, Slawonien und Dalmatien

Dnevnik Sabora Trojedne kraljevine Dalmacije, Hrvatske i Slavonije 1861-1887.
Aufzeichnungen der Parlamentsversammlungen des Dreieinigen Königreichs Dalmatien, Kroatien und Slawonien von 1861 bis 1887
Stenografički zapisnici Sabora Kraljevine Hrvatske, Slavonije i Dalmacije
1887-1918.
Stenographische Protokolle der Parlamentsversammlungen des Königreichs Kroatien, Slawonien und Dalmatien von 1887 bis 1918
Sbornik zakona za Kraljevinu Hrvatsku i Slavoniju 1863.-1926.
Sammlung aller Gesetze des Königreichs Kroatien-Slawonien von 1863 bis 1926
Sbornik Ugarsko-hrvatskih skupnih zakonah 1871.-1917.
Sammlung aller in Ungarn und Kroatien geltenden Gesetze von 1871 bis 1917
Zemaljsko-zakonski i vladni list za Krunovinu Horvatsku i Slavoniu 1850-1859.
Gesetzblatt und Amtsblatt des Kronlandes Kroatien-Slawonien von 1850 bis 1859
List zakonah i spisah vlade za Krunovinu Dalmaciu 1849-1916.
Verzeichnis der Gesetze und Regierungsakten des Kronlandes Dalmatien von 1849-1916
Raccolta delle leggi ed ordinanze per la Dalmazia dell anno 1819-1848

Militärgrenze

Zbirku zakonah i naredabah za Vojnu Krajinu, 1871
Sammlung von Gesetzen und Verordnungen für die Militärgrenze 1871
List zemaljske uprave za Hrvatsko -slavonsku vojnu krajinu 1872-1881.
Blatt der Staatsverwaltung für die kroatisch-slawonische Militärgrenze 1872-1881
Militär-Gränitz-Rechten… für das Karlstädter und Varasdiner-Generalat, Wien, 1754. (Gotische Schrift)
Stopfer, M.: Erläuterungen der Grundgesetze für die Carlstädter-Warasdiner Militär Gränze, Wien, 1831.

Bosnien und Herzegowina

Zbornik zakona i naredaba za Bosnu i Hercegovinu 1881.-1922.
Sammlung von Gesetzen und Verordnungen für Bosnien und Herzegowina 1881-1922
Zbirka naredaba za šeriatske sudove u Bosni i Hercegovini 1878-1900.
Sammlung von Verordnungen für Scharia-Gerichte in Bosnien und Herzegowina von 1878 bis 1900
Sammlung der Gesetze für Bosnien und Herzegowina von 1878 bis 1880

Andere Kronländer

Gesetze … für das österreichisch-ilirische Küstenland 1883-1914
Deželni zakonik … za Kranjsko Kronovino 1849-1914 (Gesetzbuch für Krain)
Zakonnik zemsky ralovstvi Českeho 1883-1914 (Gesetzbuch für Böhmen)
Landesgesetz... für das Königreich Galizien … 1883-1908
Landesgesetz... für das Herzogthum Steiermark 1883-1913


3. Gerichtsbarkeit

  

Für die kroatische Gerichtsbarkeit war die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts bedeutsam, als Kroatien endlich Unabhängigkeit im Gerichtswesen erlangte.

Die Justizverwaltung wurde 1850 einer Reform unterzogen, sodass die Tabula Banalis (Ban-Gericht oder Banaltafel) als Oberlandesgericht und höchstes Gericht in zweiter Instanz errichtet wurde. Berufungen gegen Entscheidungen der Tabula Banalis wurden zur Zeit des Absolutismus beim Obersten Kassationsgericht in Wien eingelegt. Bis zur Aufhebung des österreichischen Konsulats in Bosnien und Herzegowina war die Tabula Banalis auch für Widersprüche gegen konsularische Entscheidungen zuständig.

In Zagreb wurde 1862 das Königliche Gericht Septemviraltafel (Tabula Regia Septemviralis) als Oberster Gerichtshof mit dem Banus als Gerichtspräsidenten für das Königreich Dalmatien, Kroatien und Slawonien errichtet. 

  

Aus der Sammlung:

Kroatien

Ustanovljenja u pogledu privremene uredbe o sudovah za Krunovinu Hrvatsku i Slavoniu, Beč, 1850.  / Fesstellungen zur vorläufigen Gerichtsverordnung für das Königreich Kroatien-Slawonien, Wien, 1850
Političko i sudbeno razdijeljenje Kraljevine Hrvatske i Slavonije 1889. / Politische Gliederung und Gerichtsaufbau im Königreich Kroatien-Slawonien 1889
Zakon o mjesnim sudovima 1876. / Gesetz
Statistički pregled odnošajah u kr. zemalj.kaznionah Hrvatske i Slavonije 1885.-1894.
Vrbanić, Fran: Statistika kaznenoga pravosuđa za godine 1863-1876.
Tauffer, Emil: Obrtni odnošaji u kralj. zemaljskih kaznionah kraljevinah Hrvatske i Slavonije. Povodom Zemaljske izložbe u Budimpešti godine 1885., Zagreb, 1885.
Hinković: Odvjetnički red od 1852. sa tičućimi se pojedinih ustanovah zakoni i naredbami, Zagreb, 1883.
Accurti, Milan: Rješidbe kr. stola sedmorice kao suda kasacialnoga, Zagreb, 1907.
Indeks načelnih i važnijih civilnih rješidbi kr. Stola sedmorice, Zagreb, 1913.
Načelne rješitbe kr. financ.upravnoga sudišta 1890-1895.
Ogorelica, Nikola: Kazneno procesualno pravo s osobitim obzirom na judikaturu kr. stola sedmorice i Kasacionoga suda bečkoga. Zagreb, 1899.

Österreich

Edlen von Kess, Franz George: Kommentar über Josephs des Zweiten allgemeine Gerichtsordnung, Wien, 1789.
Winner, Jakob: Normalien-Sammlung für Militär Gerichte 1857-1877. (gotica)
Novak, R.: Entscheidungen des k.k. Obersten Ferichtshofes in Civilsachen, Wien, 1887-1902.
Entscheidungen des k.k. Obersten Gerichts als Cassationshofes…,Wien, 1990-1918.

Dieses Projekt wurde durch EU-Mittel gefördert